Durchgriffshaftung

Bei einer Durchgriffshaftung haften die Gesellschafter persönlich, unbeschränkt und gesamtschuldnerisch mit ihrem Privatvermögen für Verbindlichkeiten der Gesellschaft, auch wenn es sich um eine Gesellschaftsform mit einer Haftungsbeschränkung (GmbH) handelt.

Durchbrechung des Trennungsprinzips

Bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung und Aktiengesellschaften findet in der Regel das Trennungsprinzip Anwendung – die Trennung zwischen Privat- und Gesellschaftsvermögen. D.h. es haftet gegenüber den Gläubigern nur das Gesellschaftsvermögen, vgl. § 1 Abs. 1 Satz 2 AktG und § 13 Abs. 2 GmbHG. Selbst wenn das Gesellschaftsvermögen dabei nicht ausreicht, müssen die Gesellschafter normalerweise nicht mit ihrem Privatvermögen haften. Bei der Durchgriffshaftung ist dies jedoch anders, denn hier wird bei bestimmten Ursachen die Grundregel des Trennungsprinzips durchbrochen.

Ursachen Durchgriffshaftung

Folgende Ursachen können eine Durchgriffshaftung zur Folge haben:

  • Vermögensvermischung: Zwischen Gesellschafts- und Privatvermögen der Gesellschafter kann nicht unterschieden werden, z.B. durch undurchsichtige Buchhaltung, Verschiebung von Gesellschaftsvermögen in das Privatvermögen oder zu Konzerngesellschaften.
  • Sphärenvermischung: Die Rechtssubjekte sind nach außen nicht ausreichend deutlich voneinander trennbar und eine Vermögensvermischung ist die Folge, z.B. keine Abgrenzung zwischen Gesellschaftssphäre und Privatsphäre der Gesellschafter möglich.
  • Rechtsformmissbrauch: Die Rechtsform wird missbraucht oder in Widerspruch der Rechtsordnung eingesetzt und dadurch das Trennungsprinzip aufgehoben.
  • Materielle Unterkapitalisierung: Der erforderliche Kapitalbedarf der Gesellschaft kann nicht gedeckt werden, weder durch Gesellschafterdarlehen noch durch Fremdkapital.