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Finanzverantwortliche prüft Unterlagen und Fristen für einen Vollstreckungsbescheid

Vollstreckungsbescheid beantragen: Fristen, Ablauf und Einspruch

Der Vollstreckungsbescheid ist der zweite gerichtliche Schritt nach dem Mahnbescheid. Er wird nicht automatisch erlassen: Der Gläubiger muss ihn beantragen, nachdem die Widerspruchsfrist des Mahnbescheids abgelaufen ist. Wird der Antrag rechtzeitig und korrekt gestellt, kann daraus ein Vollstreckungstitel entstehen. Für die Praxis sind drei Zeitpunkte zentral: der Ablauf der regelmäßig zweiwöchigen Widerspruchsfrist, die sechsmonatige Höchstfrist für den Antrag und die regelmäßig zweiwöchige Einspruchsfrist nach Zustellung des Vollstreckungsbescheids. Dieser Leitfaden zeigt B2B-Gläubigern, welche Angaben vor dem Antrag geprüft werden müssen, was ein Einspruch bewirkt und wann eine Vollstreckung wirtschaftlich sinnvoll ist.

Themen auf dieser Seite

Das Wichtigste zum Vollstreckungsbescheid

  • Voraussetzung ist ein zugestellter Mahnbescheid. Für den beantragten Teil darf kein rechtzeitiger Widerspruch vorliegen.
  • Der Antrag darf nicht vor Ablauf der Widerspruchsfrist gestellt werden. Im Regelfall sind das zwei Wochen ab Zustellung des Mahnbescheids.
  • Der Antrag muss innerhalb von sechs Monaten ab Zustellung des Mahnbescheids bei Gericht eingehen; sonst fällt dessen Wirkung nach § 701 ZPO weg.
  • Alle Zahlungen nach dem Mahnbescheid sind im Antrag anzugeben. Bei vollständiger Zahlung darf kein Vollstreckungsbescheid mehr beantragt werden.
  • Der Vollstreckungsbescheid ist vorläufig vollstreckbar. Der Antragsgegner kann regelmäßig binnen zwei Wochen Einspruch einlegen; der Einspruch stoppt die Vollstreckung nicht automatisch.

Was ist ein Vollstreckungsbescheid?

Der Vollstreckungsbescheid ist ein Vollstreckungstitel aus dem gerichtlichen Mahnverfahren. § 794 Abs. 1 Nr. 4 ZPO zählt ihn ausdrücklich zu den weiteren Vollstreckungstiteln. Der Gläubiger kann auf seiner Grundlage die Zwangsvollstreckung betreiben, sofern die konkreten Voraussetzungen erfüllt sind.

Das Mahngericht prüft dabei nicht wie im streitigen Klageverfahren, ob der materielle Anspruch tatsächlich besteht. Schon der Mahnbescheid muss nach § 692 Abs. 1 Nr. 2 ZPO darauf hinweisen, dass eine solche Prüfung nicht stattgefunden hat.

Mahnbescheid Vollstreckungsbescheid
erster gerichtlicher Schritt zweiter gerichtlicher Schritt
fordert Zahlung oder Widerspruch binnen regelmäßig zwei Wochen eröffnet die Vollstreckung als Titel
noch kein Vollstreckungstitel Vollstreckungstitel nach § 794 ZPO
Widerspruch ist der passende Rechtsbehelf Einspruch ist der passende Rechtsbehelf
Grundlage für den späteren Antrag steht nach § 700 ZPO einem vorläufig vollstreckbaren Versäumnisurteil gleich

Das vollständige Verfahren vom Mahnantrag bis zum möglichen Streitverfahren behandelt der Ratgeber Gerichtliches Mahnverfahren. Diese Seite konzentriert sich auf die zweite Stufe.

Die drei entscheidenden Fristen

1. Frühester Antrag: nach Ablauf der Widerspruchsfrist

Der Antrag darf nach § 699 Abs. 1 ZPO nicht vor Ablauf der Widerspruchsfrist gestellt werden. Der Mahnbescheid fordert den Antragsgegner nach § 692 Abs. 1 Nr. 3 ZPO auf, innerhalb von zwei Wochen ab Zustellung zu zahlen oder Widerspruch einzulegen.

Die deutschen Mahngerichte weisen darauf hin, dass sich das Fristende auf den nächsten Werktag verschieben kann, wenn es auf Samstag, Sonntag oder Feiertag fällt. Arbeiten Sie deshalb mit dem Zustellungsdatum auf der gerichtlichen Nachricht und nicht mit einer selbst geschätzten Versandzeit.

2. Spätester Antrag: sechs Monate ab Zustellung

Nach § 701 ZPO fällt die Wirkung des Mahnbescheids weg, wenn der Vollstreckungsbescheid nicht binnen sechs Monaten ab Zustellung des Mahnbescheids beantragt wird. Maßgeblich ist, dass der Antrag rechtzeitig bei Gericht eingeht.

Die sechs Monate sind keine empfohlene Wartezeit. Sie bilden die gesetzliche Höchstfrist. Der Vorgang sollte nach Ablauf der Widerspruchsfrist zeitnah geprüft und entschieden werden.

3. Einspruch: regelmäßig zwei Wochen nach Zustellung

Der Vollstreckungsbescheid steht nach § 700 Abs. 1 ZPO einem für vorläufig vollstreckbar erklärten Versäumnisurteil gleich. Für den Einspruch gilt im Regelfall die zweiwöchige Notfrist des § 339 ZPO, beginnend mit Zustellung. Bei Zustellung im Ausland oder öffentlicher Zustellung können andere Regeln gelten.

Infografik zu den drei Fristen beim Vollstreckungsbescheid: frühester Antrag, Höchstfrist und Einspruch
Das dokumentierte Zustellungsdatum ist der Ausgangspunkt. Das konkrete Fristende muss im Einzelfall geprüft werden.

Vollstreckungsbescheid in fünf Schritten beantragen

  1. Zustellungsnachricht und Formular zuordnen

    Das Mahngericht übersendet dem Antragsteller nach erfolgreicher Zustellung des Mahnbescheids regelmäßig eine Zustellungsnachricht zusammen mit dem vorbereiteten Antrag auf Erlass des Vollstreckungsbescheids. Prüfen Sie Geschäftsnummer, Zustellungsdatum und die im Verfahren geführten Parteien.

  2. Widerspruch und Zahlung prüfen

    Kontrollieren Sie das Gerichtspostfach beziehungsweise die eingegangene Post und das Bankkonto unmittelbar vor Antragstellung. Ein vollständiger Widerspruch sperrt den Antrag. Bei Teilwiderspruch ist nur der unbestrittene Teil antragsfähig.

    Hat der Antragsgegner vollständig gezahlt, darf kein Antrag mehr gestellt werden. Teilzahlungen sind mit Datum und Betrag anzugeben; beantragt wird nur die noch offene, zutreffend berechnete Forderung.

  3. Antrag vollständig ausfüllen

    Übernehmen Sie die Geschäftsnummer exakt. Geben Sie an:

    • ob und welche Zahlungen geleistet wurden
    • ob sich Anschrift oder Bezeichnung geändert haben
    • welcher Betrag nach einem Teilwiderspruch verbleibt
    • ob Amtszustellung oder Zustellung im Parteibetrieb beantragt wird
    • welche gesetzlich vorgesehenen Nebenforderungen weiter beansprucht werden

    Ändern Sie den Streitgegenstand nicht beiläufig über ein Folgeformular. Bei neuen oder wesentlich anderen Ansprüchen ist zu prüfen, welcher Verfahrensweg passt.

  4. Zustellungsart bewusst wählen

    Nach § 699 Abs. 4 ZPO wird der Vollstreckungsbescheid grundsätzlich von Amts wegen zugestellt. Nur wenn der Antragsteller die Übermittlung an sich zur Parteizustellung beantragt, muss er die Zustellung selbst veranlassen. Die Mahngerichte empfehlen im Regelfall die Amtszustellung, weil die Geschäftsstelle die Zustellung dann organisiert.

  5. Fristgerecht übermitteln und Eingang überwachen

    Nutzen Sie den für Ihren Antragstellerstatus und das zuständige Gericht vorgesehenen Übermittlungsweg. Rechtsanwälte, registrierte Rechtsdienstleister und andere professionelle Einreicher können besonderen elektronischen Formpflichten unterliegen. Bewahren Sie Einreichungs- und Eingangsbeleg zusammen mit der Zustellungsnachricht auf.

    Nach dem Versand endet die Arbeit nicht. Bearbeiten Sie Monierungen, Nichtzustellungsnachrichten und einen möglichen Einspruch sofort. Ein Fristenkalender braucht deshalb den Antragstermin und eine Wiedervorlage für gerichtliche Reaktionen.

Welche Kosten entstehen?

Für das gerichtliche Mahnverfahren entsteht eine wertabhängige Gerichtsgebühr. Das Kostenverzeichnis zum GKG führt für das Verfahren über den Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids eine 0,5-Gebühr mit Mindestbetrag; die Höhe kann sich ändern. Veröffentlichen Sie deshalb keine alte Pauschale, sondern nutzen Sie den aktuellen Kostenrechner der Mahngerichte.

Wird der Anspruch nach einem Einspruch streitig weiterverfolgt, können Sie die Kosten dieses Klageverfahrens separat mit dem Germania-Rechner für Klage- und Prozesskosten einordnen.

Zusätzlich können entstehen:

  • Vergütung für anwaltliche oder rechtsdienstleistende Unterstützung
  • Kosten einer Zustellung im Parteibetrieb
  • Kosten des streitigen Verfahrens nach Widerspruch oder Einspruch
  • Kosten späterer Vollstreckungsmaßnahmen

Der Antragsteller trägt Gerichts- und Dienstleistungskosten zunächst nach den jeweiligen Regeln. Ob und in welchem Umfang der Antragsgegner diese erstatten muss, hängt von Verzug, Erforderlichkeit, Verfahrensausgang und Kostenentscheidung ab.

Was passiert nach Erlass des Vollstreckungsbescheids?

Der Bescheid enthält nochmals Parteienanschriften und Forderungen. Er sollte zusammen mit Zustellungsnachweis, Forderungskonto und gerichtlicher Korrespondenz sorgfältig aufbewahrt werden.

Rechtlich sind vier Punkte wichtig:

  • Der Vollstreckungsbescheid ist ein Titel nach § 794 Abs. 1 Nr. 4 ZPO.
  • Er steht einem vorläufig vollstreckbaren Versäumnisurteil gleich (§ 700 Abs. 1 ZPO).
  • Er benötigt nach § 796 ZPO grundsätzlich keine Vollstreckungsklausel, solange nicht für oder gegen eine andere als die im Bescheid bezeichnete Person vollstreckt werden soll.
  • Ein Einspruch beseitigt die Vollstreckbarkeit nicht automatisch.

Der Gläubiger muss deshalb nicht pauschal bis zum Ablauf der Einspruchsfrist warten, bevor irgendeine Vollstreckung möglich wäre. Eine sofortige Maßnahme ist aber nicht immer klug. Wird der Titel nach Einspruch später aufgehoben oder geändert, können Rückabwicklungs- und Schadensersatzrisiken nach § 717 ZPO entstehen. Prüfen Sie Forderung, Einspruchsrisiko, Vermögenslage, Maßnahme und Kosten zusammen.

Ablauf vom Mahnbescheid über den Vollstreckungsbescheid bis Vollstreckung oder Streitverfahren
Nach der Zustellung entscheidet die Reaktion des Antragsgegners über Rechtskraft oder Streitverfahren. Das Vollstreckungsrisiko bleibt separat zu prüfen.

Einspruch gegen den Vollstreckungsbescheid

Der Einspruch ist vor allem relevant, wenn der Antragsgegner die Forderung, ihre Höhe, ihre Fälligkeit oder die richtige Person bestreitet. Für Gläubiger ist deshalb wichtig zu wissen, welche formalen Anforderungen gelten und welche Folgen der Einspruch für das weitere Verfahren hat.

Nach § 340 Abs. 2 ZPO muss die Einspruchsschrift die angegriffene Entscheidung bezeichnen und erklären, dass Einspruch eingelegt wird. Bei einem Teileinspruch ist der Umfang zu benennen. Für den konkreten Adressaten und Übermittlungsweg sind die Rechtsbehelfsbelehrung und das beigefügte Formular maßgeblich. Eine einfache E-Mail genügt nach dem Hinweis der hessischen Justiz nicht.

Ein Einspruch führt nach § 700 ZPO in das streitige Verfahren. Der Gläubiger muss den Anspruch dann schlüssig begründen und Belege vorlegen. Zugleich stoppt der Einspruch eine laufende Zwangsvollstreckung nicht automatisch. Das Prozessgericht kann nach § 719 ZPO über einen Antrag auf einstweilige Einstellung entscheiden.

Wie lange wirkt der Vollstreckungsbescheid?

Wird der im Vollstreckungsbescheid festgestellte Anspruch rechtskräftig, gilt für ihn grundsätzlich die 30-jährige Verjährungsfrist des § 197 Abs. 1 Nr. 3 BGB. Der Beginn richtet sich nach § 201 BGB.

Die Kurzform „alles läuft 30 Jahre“ ist dennoch ungenau. Für künftig fällige, regelmäßig wiederkehrende Leistungen ordnet § 197 Abs. 2 BGB die regelmäßige Verjährungsfrist an. Das kann insbesondere später entstehende Zinsen betreffen. Hauptforderung, titulierte Nebenforderungen, weitere Zinsen, Vollstreckungskosten und Zahlungen sollten getrennt verbucht werden.

Ein Titel garantiert außerdem keinen Vollstreckungserfolg. Wenn derzeit kein pfändbares Vermögen bekannt ist, braucht es eine wirtschaftlich begründete Wiedervorlage statt einer Folge ungeplanter Maßnahmen. Mehr zur Einordnung finden Sie unter Titulierung und im Beitrag zum Forderungsmanagement.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Wann kann ich den Vollstreckungsbescheid beantragen?

Sie können den Vollstreckungsbescheid nach Ablauf der Widerspruchsfrist des zugestellten Mahnbescheids beantragen, wenn für den beantragten Teil kein rechtzeitiger Widerspruch vorliegt. Im Regelfall endet die Frist zwei Wochen nach Zustellung; das genaue Fristende ist anhand der gerichtlichen Zustellungsnachricht zu bestimmen.

Wie lange kann ich den Antrag stellen?

Der Antrag muss nach § 701 ZPO innerhalb von sechs Monaten ab Zustellung des Mahnbescheids bei Gericht eingehen. Danach fällt die Wirkung des Mahnbescheids weg.

Was gilt bei einer Teilzahlung?

Teilzahlungen müssen im Antrag angegeben und vom offenen Betrag abgezogen werden. Bei vollständiger Zahlung darf kein Vollstreckungsbescheid mehr beantragt werden.

Brauche ich vor dem Mahnbescheid drei Mahnungen?

Nein, drei außergerichtliche Mahnungen sind keine allgemeine Zulässigkeitsvoraussetzung. Anspruch, Fälligkeit, Verzug, Kosten und mögliche Einwendungen sind trotzdem vor dem gerichtlichen Schritt zu prüfen.

Ist der Vollstreckungsbescheid sofort vollstreckbar?

Der Vollstreckungsbescheid steht nach § 700 Abs. 1 ZPO einem vorläufig vollstreckbaren Versäumnisurteil gleich. Eine Vollstreckung kann daher grundsätzlich schon vor Rechtskraft möglich sein. Das Risiko eines Einspruchs und einer späteren Aufhebung ist vor der Maßnahme zu bewerten.

Wie lange kann der Antragsgegner Einspruch einlegen?

Im Regelfall beträgt die Einspruchsfrist zwei Wochen ab Zustellung. Die Rechtsbehelfsbelehrung des konkreten Bescheids ist maßgeblich; bei Zustellung im Ausland oder öffentlicher Zustellung können Besonderheiten gelten.

Stoppt ein Einspruch die Zwangsvollstreckung?

Nein, ein Einspruch stoppt die Zwangsvollstreckung nicht automatisch. Das zuständige Prozessgericht kann auf Antrag nach § 719 ZPO über eine einstweilige Einstellung entscheiden.

Was kostet ein Vollstreckungsbescheid?

Die Gerichtskosten des Mahnverfahrens richten sich nach dem Forderungswert. Hinzukommen können Vertretungs-, Zustell-, Streit- und Vollstreckungskosten. Nutzen Sie einen aktuellen offiziellen Rechner statt einer veralteten Pauschale.

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